Vorüberlegungen zur Umsiedlung von Wespen

Können Wespen umgesiedelt werden?

Bei Wespen ist grundsätzlich eine Umsiedlung der Nester / Völker möglich. Um zu prüfen, ob dies wirklich erforderlich ist, sind bei sachgerechtem Vorgehen zuerst einige Voraussetzungen zu klären:

Welche Wespenarten können umgesiedelt werden?

Um welche Wespenart handelt es sich genau? In Deutschland gibt es ca. 10 verschiedene staatenbildende Wespenarten mit teilweise sehr unterschiedlichen Lebenszyklen, Verhaltensweisen und Vorlieben. Auch der Schutzstatus ist verschieden. Die Unterscheidung dieser Wespenarten ist allerdings recht schwierig und erfordert in den meisten Fällen besonderes Fachwissen.

  • Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)
  • Deutsche Wespe (Vespula germanica)
  • Sächsische Wespe (Dolicovespula saxonica)
  • Mittlere Wespe (Dolicovespula media)
  • Norwegische Wespe (Dolicovespula norvegica)
  • Rote Wespe (Vespula rufa)
  • Waldwespe (Dolicovespula sylvestris)
  • Feldwespe (Polistes spec.)
  • Hornisse (Vespa crabo)

Die verschiedenen Kuckuckswespen spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle und die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist in Deutschland bisher erst punktuell nachgewiesen.

Wie dringend sind die Gründe für eine Umsiedlung von Wespen?

Liegen akute Gefahren für Mensch, Tier, Technik oder die Umwelt vor. Gefahrenlagen könnten z.B. vorliegen bei:

  • Wespennestern im Schornstein, Ventilatoren, Be- und Entlüftungen
  • Wespennestern im Eingangsbereich von Kindergärten, Schulen, etc.
  • Wespen in unmittelbarer Nähe von besonders gefährdeten Personen (Allergiker, Pflegeheime, etc.)

Gibt es schonendere alternative Maßnahmen?

Häufig genügt schon eine fachkundige Aufklärung über die Biologie und Lebensweise der Wespen. Es gibt aber auch alternative und vorbeugende Maßnahmen, wie z.B.:

  • Insektenschutzgitter vor den Fenstern und Türen gegen Wespen und andere Insekten
  • Umlenkungsmaßnahmen der Einflugrichtung von Wespen
  • Ablenkungsfütterungen

Ist das Nest mit vertretbarem Aufwand zugänglich?

Das ist dann der Fall, wenn es ausgegraben werden kann oder wenn es sich hinter einer Öffnung befindet, die so groß ist, daß das Nest möglichst als Ganzes durch diese Öffnung herausgenommen werden kann.

Gibt es jemanden, der eine Umsiedlung durchführen kann?

Nicht jeder kann und darf ein Wespennest umsiedeln. Diese Tätigkeit sollte grundsätzlich nur von ausgebildeten und erfahrenen Wespenumsiedlern erfolgen. Fachkundige Wespenumsiedler in Ihrer Nähe  finden Sie in der Datenbank vom Wespennotdienst oder bei der unteren/oberen Naturschutzbehörde für Ihren Landkreis.

Ist ein neues Quartier (Ort und Nistkasten) in ausreichender Entfernung(!) für das Volk verfügbar?

Zur Wiederansiedlung muß ein geeigneter Platz, (vandalismussicher, …) in ausreichender Entfernung (ca. 10 km) ausfindig gemacht werden.

Ist die ggf. erforderliche Sondergenehmigung zu erlangen?

Eine Sondergenehmigung ist grundsätzlich bei allen besonders geschützten Tieren erforderlich. Dazu zählen die Hummeln und die Hornissen. Aber auch bei den normalen Wespen sollten Sie und der Umsiedler sich bei der zuständigen Behörde informieren. Die Bestimmungen können in jedem Bundesland anders ausgelegt werden.

Gefahren für die Wespen bei einer Wespenumsiedlung

Eine Umsiedlung ist sehr aufwendig und nimmt bei gewissenhafter Durchführung in jedem Fall viele Stunden in Anspruch. Für die Tiere ist sie mit erheblichem Streß und selbst bei großer Sorgfalt mit unvermeidlichen Verlusten verbunden. Deshalb ist sehr gründlich abzuwägen, ob im konkreten Fall andere weniger aufwendige und schonendere Maßnahmen ausreichen.

Vorgehen bei einer Umsiedlung von Wespen

Im Prinzip muß man bei einer Umsiedlung das Nest mit der Brut und der Königin bergen und die Arbeiterinnen einfangen. Besonders letzteres ist eine langwierige Angelegenheit. Material und Tiere werden an den neuen Standort transportiert und dort in einen speziellen Nistkasten eingesetzt. Um den Tieren die Erkundung der neuen Nistortumgebung zu erleichtern, ist in den folgenden Tagen eine besondere Betreuung des Volkes durch Zufütterung erforderlich.

In manchen Fällen ist es recht schwierig, das Nest ausfindig zu machen, weil dieses nicht selten deutlich mehr als 1 m vom sichtbaren Flugloch entfernt ist. Beim Einfangen der Arbeiterinnen ist es wichtig, daß man möglichst viele der Tiere einfängt, die gerade zum Nahrungserwerb ausgeflogen sind, denn diese werden auch am zukünftigen Standort dringend für die Nahrungsversorgung benötigt.

Wahl und Abfolge der einzelnen Schritte bei einer Umsiedlung können je nach Tierart, Lage des Nestes, örtlicher Situation und anderer Umstände recht verschieden sein. Der Experte wird auf Grund seines Fachwissens und seiner Erfahrung einen Ablauf planen, bei dem Nest und Tiere möglichst schonend behandelt werden.

(Text E. Baur / M. Schmidt)